Was ist GRIN?

GRIN ist nicht der Name der Erkrankung oder des Syndroms. GRIN ist ein Teil des Namens eines Gens. Das heißt, wir alle haben GRIN-Gene. Die GRIN-Gene kodieren (schreiben den Bauplan) für verschiedene Untereinheiten des NMDA-Rezeptors. Dies ist ein wichtiger Rezeptor an den Nervenzellen im Gehirn. Bei manchen Menschen kommt es zu einer Veränderung in einem der GRIN-Gene. Diese Veränderung kann zu einer veränderten Funktion des NMDA-Rezeptors führen. Bisher sind krankheitsverursachende Varianten in vier Untereinheiten des NMDA-Rezeptors bekannt. Die dafür kodierenden Gene heißen: GRIN1, GRIN2A, GRIN2B und GRIN2D.

Die meisten Informationen, die man im Internet finden kann, sind englischsprachig. Ganz gute erste Informationen liefert dieses Video des GRIN-Portals mit deutschen Untertiteln.

Video: Was sind GRIN-assoziierte Erkrankungen?

Was bedeutet die Diagnose GRIN-assoziierte Erkrankung für dein Kind?

Alle unsere Kinder haben eine Veränderung in einem der GRIN-Gene. Das heißt aber noch nicht, dass alle die gleichen Symptome haben oder sich ähnlich entwickeln. Dennoch gibt es Themen, die bei den meisten Kindern und Jugendlichen eine Rolle spielen. Und da tut es gut, sich austauschen zu können. Die Liste der möglichen Auswirkungen erscheint im ersten Moment lang. Es heißt aber noch lange nicht, dass dein Kind all diese Symptome haben wird. Manche Kinder sind beispielsweise motorisch etwas entwicklungsverzögert und erlernen das Gehen später als die meisten Kinder. Andere Kinder haben aber eine so stark ausgeprägte Hypotonie, dass das Gehen nicht erlernt werden kann. Manche Kinder lernen zu sprechen, andere bleiben nonverbal. Das Spektrum ist breit und jedes Kind entwickelt sich in diversen Bereichen unterschiedlich.  

Wir bedanken uns herzlich bei Dr. Ilona Krey vom Universitätsklinikum Leipzig, die die Inhalte auf ihre Richtigkeit überprüft und vor allem durch ihr Fachwissen ergänzt hat.

Häufige Fragen und Antworten

Was bedeutet GRIN1, GRIN2A, GRIN2B und GRIN2D?

Wie oben beschrieben, handelt es sich bei GRIN nicht um den Namen der Erkrankung, sondern es ist Teil des Namens einer Gen-Gruppe. Die Funktion der GRIN-Gene besteht darin, ein Protein zu kodieren, das einen Rezeptor (den NMDA-Rezeptor) bildet, der u.a. für die Kommunikation der Nervenzellen im Gehirn verantwortlich ist. Eine Veränderung im GRIN-Gen bedeutet, dass ein Teil des Bauplans für den Rezeptor entweder gelöscht, dupliziert oder neu angeordnet wurde.
Daher werden die Erkrankungen aufgrund von krankheitsverursachenden Veränderungen im GRIN-Gen als „GRIN-assoziierte Entwicklungsverzögerung“ oder „GRIN-assoziierte Erkrankungen“ bezeichnet.

Was verursacht Veränderungen im GRIN-Gen?

Die meisten bekannten krankheitsverursachenden Veränderungen in einem der GRIN-Gene sind „de novo“, das heißt, sie treten spontan und neu auf. Die Gründe dafür sind unbekannt. Es gibt aber auch Fälle, bei denen ein Elternteil Träger der Veränderung ist (und das meist selbst nicht weiß) und sie an das Kind weitergegeben hat, dies ist besonders bei GRIN2B bisher nicht bekannt.

Wie und seit wann werden Veränderungen im GRIN-Gen diagnostiziert?

Die Veränderungen zu diagnostizieren ist nicht einfach. Es ist in den meisten Fällen ein aufwändiges Analyseverfahren notwendig. Durch eine Untersuchung des Blutes vom Kind und den Eltern wird im Rahmen des sogenannten „Whole Exome Sequencing“ (WES) die gesamte codierende Sequenz des Kindes untersucht. So können sehr seltene Veränderungen entdeckt werden. Dieses Verfahren gibt es erst seit einigen Jahren. Es ist somit zu erwarten, dass die Anzahl der diagnostizierten Menschen in den nächsten Jahren steigt.

Die ersten wissenschaftlichen Publikationen (Erstbeschreibungen) liegen zum Teil noch nicht so lange zurück. GRIN1 wurde in der Literatur erstmals 2011 beschrieben, GRIN2A sowie GRIN2B 2010 und GRIN2D 2016.

Was sind die Symptome?

Wie an anderer Stelle schon erwähnt, gibt es eine Reihe an möglichen körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen, die nicht auf jedes Kind zutreffen. Häufige Symptome sind

  • Entwicklungsverzögerung, Intelligenzminderung
  • Muskuläre Hypotonie
  • Bewegungsauffälligkeiten
  • Epilepsie
  • Verzögerter Spracherwerb, nonverbale Kommunikation
  • Probleme bei der Nahrungsaufnahme, Fütterungsschwierigkeiten, Verdauungsprobleme
  • Verhaltensauffälligkeiten (Autismus-Spektrum-Störung)

Gibt es eine Heilung?

Derzeit gibt es keine Heilung für Veränderungen in den GRIN-Genen. Es gibt aber viele Gruppen, die sich für die weitere Erforschung einsetzen. Diese findet ihr unter Netzwerk.

Welche Behandlungen gibt es?

Die Kinder können durch verschiedene Therapien gut gefördert werden. Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie helfen den Kindern beim Erreichen von Entwicklungsschritten.
In den letzten Jahren werden auch die Auswirkungen bestimmter Nahrungsergänzungsmittel sowie Medikamente untersucht. Bevor man mit der Einnahme beginnt, ist es aber wichtig, eine Funktionsanalyse machen zu lassen. Die unterschiedlichen Varianten können den NMDA-Rezeptor auch unterschiedlich beeinflussen. Es kann zu einer erhöhten oder verminderten Rezeptorfunktion kommen und daher ist es enorm wichtig die Auswirkungen zu kennen, damit eine Überfunktion gehemmt und eine Unterfunktion aktiviert werden kann. Es wird dringend empfohlen Therapieversuche unter ärztlicher Begleitung durchzuführen. Daher werden die verschiedenen Präparate an dieser Stelle auch nicht näher beschrieben.

Wie ist die Prognose?

Nach bisherigem Wissen scheinen GRIN-assoziierte Erkrankungen nicht progredient zu sein. Wahrscheinlich wird einmal Erlerntes selten wieder verlernt. Über den Langzeitverlauf ist bisher wenig bis nichts bekannt, da die meisten diagnostizierten Fälle im Kindesalter sind.  

Danke für die Überprüfung und Ergänzung an Dr. Ilona Krey (Universitätsklinikum Leipzig)

Diese Informationen richten sich an Familien, die sich nach einer Diagnose in einer neuen Lebenssituation wiederfinden und viele Fragen haben. Sie ersetzen nicht die Auskünfte, die sie von Ärzt*innen und Therapeut*innen erhalten, die individuell für das jeweilige Kind gegeben werden können.